Unglaublich, aber heute passiert es. Wir gehen zu fünft auf den Berg, direkt am Hotel. 24 Grad, dazu ein paar Wolken, die die Sonne zurückhalten. Perfektes Wanderwetter. Wie Sabrina das geschafft hat, weiß ich nicht genau. Aber niemand widerspricht.
Direkt nach dem Frühstück, gegen 10 Uhr, brechen wir auf. Es ist dieselbe Wanderung, die ich vor ein paar Tagen im Dunkeln gemacht habe. Den Sternenhimmel von neulich tausche ich heute gegen meine vier Lieblingsmenschen.

Das Streckenprofil kenne ich ja schon: 120 m hoch, weiter auf 150 m, dann 30 m runter und noch einmal hoch auf 170 m. Drei Hügel also. Das kündige ich auch genau so an. Nach den ersten 30 Höhenmetern sind trotzdem alle kaputt. Ich habe schon Angst, dass es das jetzt war.
Zur Not könnten wir jederzeit abbrechen und auf einen Minihügel weiter links ausweichen. Dort steht auch eine Masse an Menschen. Aber 50 Höhenmeter später sehen wir genau diese Menschen von oben. Als kleine Punkte. Damit ist der Bann gebrochen.

Dann kommt noch eine kleine Kletterpassage für die Kinder. Und schon sind wir die ersten 120 m hoch. Von hier sehen wir zum ersten Mal die Bucht und den Leuchtturm auf der anderen Seite.

Dass es so gut läuft, hätte ich nicht gedacht. Keine Diskussion, kaum ein Seufzer. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es zum nächsten Anstieg. Sind ja nur 30 Höhenmeter. Alle machen prima mit, und die Aussicht wird noch besser.
Von hier sind es nur noch ein paar letzte Meter bis zum Gipfelkreuz. Irgendwann packt Hannah der Ehrgeiz. Sie will die Erste oben sein und rennt los. Fast so wie die Jogger, die ich hier vor ein paar Tagen beim Sonnenaufgang gesehen habe. Wir haben noch einen letzten steilen Anstieg vor uns, da steht Hannah schon oben am Kreuz und winkt. Krass.

Irgendwann sind auch wir oben. Jetzt darf ich meine Talente als Fotograf auspacken. Hannah braucht Fotos für ihre WhatsApp-Storys. Im Stehen, im Springen, im Fliegen.

Der Abstieg ist ganz okay. Anstrengend für die Oberschenkel, klar, aber in Summe wirklich gut. Keiner stürzt, alle überleben.
Und ich halte mein Versprechen. Aus den angekündigten 4 bis 5 km werden exakt 4,73 km. Die anderen Uhren messen nichts anderes. Sogar meine Zeitschätzung von anderthalb bis zwei Stunden hält: 1 Stunde 50. Inklusive aller Pausen. Und Posen.
Vielleicht glaubt mir beim nächsten Mal jemand, wenn ich sage, dass es nicht weit ist.














