Viel los ist heute nicht. Für den ganzen Tag ist Regen angesagt. Spoiler: Es regnet auch den ganzen Tag.
Ich bin früh wach, alle anderen schlafen noch. Draußen höre ich schon den Regen. Es schüttet wie aus Eimern. Oder Kübeln. Ich hole die Wäsche rein, lese ein wenig, und so vergeht die Zeit. Selbst den Yogakurs Sun Salutation verpasse ich heute. Aber die Sonne ist ja sowieso nicht da.

Dazu hat mich meine Erkältung im Griff. Die anderen spielen Badminton, ich nutze die Gelegenheit für 90 Minuten Tiefschlaf. Danach fahren Sabrina und ich kurz einkaufen. Die Süßigkeiten sind mal wieder leer. Sagen zumindest die Kinder. Den Süßigkeitenturm in Iyengar-Art auf dem Küchentisch ignoriere ich dabei einmal.
Um 13:45 Uhr raffe ich mich auf und hoffe auf eine freie Schwimmbahn um 14 Uhr. Die muss man hier mieten. Dafür hat man 50 m für sich allein. Beziehungsweise zu viert, mehr dürfen nicht auf eine Bahn. Hannah und Max Luca wollen mit und kommen ein paar Minuten später nach. Und ganz ehrlich: Ob es beim Schwimmen regnet oder nicht, ist völlig egal. Nass ist nass.

Der Rest des Nachmittags bleibt ruhig. Ich mache einen Faszienkurs mit und lese weiter. Die anderen sind auf dem Hotelzimmer. Regen eben.
Abends machen wir uns auf zum Essen. Kaum sind wir aus der Haustür, ruft Ben Luis: „Da sitzt eine Katze im Baum und kommt nicht runter!“ Tatsächlich. In etwa 3 m Höhe hängt eine Katze in den Ästen und miaut, was das Zeug hält.
Das ist mein Moment. Zeit, über mich hinauszuwachsen. Ich klettere auf den Baum, die unteren anderthalb Meter sind leicht. Dann setze ich meinen ganzen Katzencharme ein. Ich rede dem Tier gut zu, bis es weniger miaut und mich nur noch ängstlich anschaut. Ich streichle ihm über den Kopf. Es bleibt ruhig.

Dann packe ich zu. Im Nacken, da, wo Katzenmamas ihre Jungen tragen. Die Katze hängt in meiner Hand und wehrt sich überraschenderweise nicht. Sie weiß wohl, was sonst passiert. Ich muss sie relativ nah an meinem Kopf vorbeiführen. Dabei treffen sich unsere Blicke. Die Angst in ihren Augen ist weg. Ersetzt durch reine, pure Panik.
Mit den Krallen erwischt sie nur einen Ast. Die deutlich bessere Wahl als mein Gesicht, denn diese Krallen sind wirklich, wirklich spitz. Den Ast kann ich lösen. Ich lasse die Katze langsam herunter, und aus etwa 1 m Höhe traue ich mich, sie einfach loszulassen. Sie rennt ein Stück weg, dreht sich um, setzt sich hin und miaut mich an.

Hinter mir, genauer gesagt unter mir, steht meine Family. Sabrina kann nicht fassen, dass ich das gemacht habe. Und für die Kinder bin ich jetzt wohl ein Held. Durch die nächsten Türen gehe ich geduckt. So groß bin ich geworden.
Nach dem Essen geht es nur noch zum obligatorischen Fußballplatz. Diesmal stelle ich mich ins Tor und lasse mich kaputtschießen. Mal schauen, ob ich mich das noch einmal traue.

Irgendwann fängt es heftig an zu regnen, und wir machen uns auf den Weg ins Bett. Ein Tag ohne Programm. Auf der Liste steht am Ende trotzdem eine gerettete Katze.


