Es ist 8 Uhr, und im Hotelzimmer ist niemand mehr müde. Ich habe die Alsterrunde schon hinter mir, die anderen den Schlaf. Heute ist Sabrinas großer Tag.
Frühstück mit Allemann und Frau. Wir treffen kurz Sabrinas Chef-Chef und einen Kollegen, halten es aber sehr kurz – die Kinder interessieren sich mehr für das Frühstück. Dann verabschieden wir Sabrina in ihren neuen Start bei PwC. Zurück aufs Zimmer, ein bisschen toben. Und der Tag gehört uns.
Die drei Kids und ich nehmen die Bahn Richtung Messehallen und weiter zum Millerntor. Beziehungsweise fast: Wir erwischen den falschen Ausgang der U-Bahn, und mein Orientierungssinn meldet sich kurzfristig ab. Dafür sehen wir etwas mehr von Hamburg als geplant. So kann man es auch sagen.
Unterwegs müssen wir noch in den Nahkauf in St. Pauli. Wasser kaufen, sagen die Kinder. Ganz wichtig, sagen die Kinder. Dass es dort neben Wasser noch ungefähr vierhundert andere Kleinigkeiten gibt, ist bestimmt Zufall.
328 Stufen
Dann der Bunker. Man kann sich nicht vorstellen, wie ausdauernd man diskutieren kann, ob man da wirklich hochgehen muss. Ich bleibe hart: Bunker hoch. 328 Stufen, rund 60 Meter.
Und dann passiert das, was jede Diskussion beendet. Mit jeder Etage wird der Blick größer. Erst Dächer, dann Straßenzüge, dann die halbe Stadt. Oben liegt der Frühlingsdom vor uns, die Kirmes mitten in Hamburg. Und auf der anderen Seite schauen wir direkt ins Millerntor. Genau da wollen wir als Nächstes hin.

Millerntor
Für das Stadion haben wir eine Führung gebucht, und sie ist fantastisch. Erst durch die Umkleiden, dann durch den Spielertunnel. So etwas habe ich noch nie gesehen. Dieser dunkle Tunnel, in rot gehalten und der riesige Totenkopf am Ende. Beeindruckend. Einschüchternd (für die Gegner). Wahnsinn. Einmal abgebogen, und wir kommen von der Südtribüne aus ins Stadion.

Der Rasen ist tabu. Betreten: nein. Berühren: auf keinen Fall. Angucken war gerade noch okay. Über die Logen geht es wieder hinunter zu den Sitzbänken. Das Stadion ist leer und trotzdem voll – man kann die Stimmung hier richtig nachfühlen.

Hängen bleibt der Spielertunnel. Vor allem, wenn dazu Hells Bells von AC/DC läuft. Gänsehaut.
Am Ende sahnt jeder ab: Wir bekommen Gutscheine für den Fanshop. Ein Fußball für die Jungs, ein T-Shirt für Hannah, für mich ein Pizzaroller mit Totenkopf. St. Pauli eben.
Currywurst, Eis und ein Aprilscherz
Wir folgen der Empfehlung unserer Führerin und essen Currywurst Pommes Mayo in der Kleinen Pause, der Fankneipe gleich um die Ecke. Preis-Leistung: perfekt.
Danach ein Eis bei Luicella’s, Empfehlung meiner Kollegin. Von dort zu Fuß über die Reeperbahn hinunter zu den Landungsbrücken. Wir wollen ein wenig Schiff fahren. Die 62 nach Finkenwerder ist allerdings so voll, dass man damit die nächsten drei Schiffe hätte füllen können.

Also nehmen wir die Linie bis zur Elbphilharmonie, drehen dort eine Extrarunde und steigen aus. Auf dem Weg wird mir kurz anders: Ben Luis hat sein Handy auf dem Schiff vergessen. Ich bin schon im Vollsprint – da ruft er hinterher: „April, April”. Timing hat er.

Weiter zur U-Bahn, die ein Bus ist. Dann bis vor die Tür und aufs Hotelzimmer, ein bisschen chillen.
Abends in der Speicherstadt
Am Abend holen wir Sabrina bei PwC ab und laufen an der Binnenalster entlang bis zum Esskontor in der Speicherstadt. Dort stellt sich heraus, dass sie nicht nur ihre Jacke vergessen hat, sondern auch die Medikamente.

Also renne ich noch einmal quer durch die Stadt, fast zurück bis zum Hotel, zur letzten Apotheke, die noch 13 Minuten offen hat. Ich brauche 11 Minuten. Puls bei 165. Sprinteinheit vorm Osterlauf doch noch erledigt… Medikamente geholt, zurück. Und dann einen Flammkuchen verdrückt, als wäre nichts gewesen.

Es geht zurück ins Hotel. 32.000 Schritte. Um 21:30 Uhr schlafe ich ein.
Sabrina hat heute einen neuen Job angefangen. Wir haben 328 Stufen, ein Stadion und eine Apotheke geschafft. Nennen wir es unentschieden.








