5:45 Uhr. Schon wieder wach. Gestern Abend haben wir noch darüber gesprochen: Wenn ich früh wach bin, wandere ich zum Leuchtturm. Sabrina hält mich immer noch für bescheuert, dass ich dafür so früh aufstehe. Aber ich habe mir keinen Wecker gestellt. Vielleicht ist die Vorfreude einfach zu groß. Self-fulfilling Prophecy. Vielleicht. Egal. Um 6:10 Uhr gehe ich los.
Vom Hotel geht es erst hinunter zur Promenade, dann links Richtung Norden bis ins kleine Dörfchen Las Playitas. Das gar nicht so klein ist, wie ich dachte. Dahinter beginnt ein Wanderweg. Und genau hier stelle ich fest: Meine Stirnlampe liegt im Zimmer. Neben meinen Schuhen. Super. Aber das Handy leuchtet ja auch. Und das muss es, denn es ist noch ziemlich dunkel.

Nach etwa zweieinhalb Kilometern treffe ich auf eine asphaltierte Straße. Leider der einzige Weg, der zum Leuchtturm führt. Obwohl: Bestimmt gibt es Routen, die sich so anfühlen wie gestern auf dem Klippenpfad. Aber so einen Quatsch mache ich heute nicht. Letzter Urlaubstag.
Langsam wird es hell, und auf dem Asphalt ist alles gut zu erkennen. Die Straße steigt auf 135 m und fällt dann wieder auf 77 m. Kurz vor dem Tiefpunkt, ungefähr bei Kilometer 6,5, öffnet sich der Blick ins Tal. Vor mir die Straße. Und am Ende des Tals thront der Leuchtturm, der noch leuchtet.

Nach Kilometer sieben beginnt der Anstieg. Ab hier spendieren sie sogar Straßenmarkierungen. In Serpentinen geht es recht steil hinauf. Der Anstieg sieht schlimmer aus, als er ist. Obwohl: Laufend oder mit dem Fahrrad würde ich jetzt fluchen. So ist mein Puls nur bei 145.

Eine Viertelstunde später stehe ich oben am Leuchtturm. Allein. Als Erster? Wahrscheinlich waren irgendwelche Crazy People noch früher hier oben. Aber ich bilde es mir einfach ein. Und genieße diese Ruhe.

Mittlerweile ist es so hell, dass der Leuchtturm nicht mehr leuchtet. Im Rücken das Meer. Der Sonnenaufgang ist da, logisch, sonst wäre es nicht hell. Aber man spürt nichts davon. Gestern färbte sich der Himmel fast gelb. Heute gibt es nur eine dicke Wolkendecke und einen schmalen hellen Streifen am Horizont.

Warum ich das mit dem Laufen erwähne? Um 9 Uhr startet am Hotel das Lighthouse Race. Sehr viele Menschen rennen dann genau hier hoch. Den Lauf gibt es öfter. Vor ein paar Tagen lerne ich eine Läuferin kennen, die ihn beim letzten Mal mitgelaufen ist und Dritte wurde: 13,5 km in 1 Stunde und 11 Minuten. Mit 300 Höhenmetern. Wahnsinn.
Mitten in dieses Feld möchte ich nicht geraten. Umrennen lassen möchte ich mich auch nicht. Also mache ich mich direkt auf den Rückweg. Über die Straße sind es nur 6,7 km, also einen Kilometer weniger als auf dem Hinweg. Das sollte in etwas mehr als einer Stunde zu schaffen sein. Dann wäre es 8:45 Uhr, und ich kann mit der Familie noch frühstücken, bevor wir Padel-Tennis spielen. Schauen wir mal.
Der Rückweg läuft wie geplant. Kurz vor dem Hotel kommt mir noch das Feld der Läuferinnen und Läufer entgegen. Gegen 8:45 Uhr bin ich zurück. Punktlandung.

Kurz an den Pool, einmal frisch machen, dann mit der Familie zum Frühstück. Was für ein Start in den Tag. 15 km, gut zweieinhalb Stunden, 300 Höhenmeter. Zeit, die 1300 Kalorien wieder draufzufüttern.




















