Um 6:30 Uhr bin ich wach. Wieder. Selbst im Urlaub schaffe ich es einfach nicht, länger liegen zu bleiben. Dafür bekomme ich den Sonnenaufgang, direkt vor unserem Haus. Die Sonne schiebt sich orange über die Kiefern, das Dünengras steht noch nass und still.

Gestern war ich laufen, heute soll es ruhiger zugehen. Kein Sport also, sondern eine kleine Runde zum Strand. Diesmal Richtung Süden.
Ivy will heute Morgen nicht mit. Ein kurzer Blick, dann dreht sie sich wieder weg. Also ziehe ich allein die Schuhe an und gehe erst einmal durch unsere Siedlung.
Südlich davon liegt ein Teich, eine Art Biotop. Die Sonne steht flach darüber, kein Wind, kein Mensch. Ich bleibe einen Moment stehen. Herrlich.

Danach geht es weiter durch die Dünenlandschaft, bis zum Sperrgebiet. Hier beginnt der Truppenübungsplatz von Oksbøl, die Kallesmærsk Hede, das größte Übungsgelände Dänemarks. Es zieht sich von hier oben bis nach Blåvand ganz im Süden. Die Regel ist simpel: Wenn es blinkt und die roten Bälle gehisst sind, geht hier niemand rein. Dann wird scharf geschossen.

Blinklicht und gehisste rote Kugeln bedeuten Schießbetrieb. Wer die Signale sieht, bleibt draußen – auch wenn der Weg noch so einladend in die Dünen führt.
Zum Glück hängt heute kein Ball. Ich streife das Gebiet ohnehin nur ganz im Norden und biege durch die Dünen ab, Richtung Strand.
Ich komme genau dort heraus, wo der Autostrand endet. Weiter Sand, weites Wasser, und mein eigener Schatten liegt lang vor mir im Licht.

Überall stecken Pflöcke im Sand, damit auch wirklich keiner weiterfährt. Dahinter nur noch Strand. Mal sehen – vielleicht wandere ich diese Woche noch von Blåvand hier hoch nach Vejers. Schauen wir mal.

Am Strand sehe ich zum ersten Mal an diesem Morgen Menschen. Bis hierhin war die ganze Runde menschenleer.
Ich schlage nach Norden ein und gehe den Autostrand entlang. Etwa 1,6 km sind das, bis ich an der Station der Livredder vorbeikomme und auf die Straße Richtung Downtown abbiege.
Dort kaufe ich noch schnell Brötchen. Erholung war das Ziel, Frühstück ist die Belohnung.
Zu Hause begrüßt mich Ivy, als hätte sie mich wochenlang nicht gesehen. Vom leersten Strand des Tages hat sie nichts mitbekommen. Selber schuld.
