Letzter halber Tag. Der Plan stand: Versailles. Die Sachen waren schnell gepackt, das Auto geholt, alles eingeladen. Dann hat Sabrina das Steuer übernommen – einmal quer durch den Berufsverkehr von Paris. Für acht Kilometer brauchten wir vierzig Minuten. Einbahnstraßen, Geduld, ein bisschen Kopfschütteln.
Eigentlich hätte ich Lust gehabt, über die Champs-Élysées zu fahren. Hab’s gar nicht erst vorgeschlagen, der Verkehr war voll genug. Und dann schickt uns das Navi einfach mitten hinein – direkt auf den Arc de Triomphe zu. Für mich als Fotograf ein Traum. Für Sabrina die Frage: Welche Spur von den acht nehmen? Wir mussten geradeaus. Hat irgendwie geklappt – und das war schon der erste Höhepunkt des Tages. Danach lief es deutlich entspannter, und nach gut siebzig Minuten waren wir in Versailles.

Der „kostenlose Eintritt“ in die Gärten kostete uns 55 Euro. Den Spiegelsaal haben wir ausgelassen – zwei, drei Stunden Anstehen waren uns zu viel. Dafür die Gärten: faszinierend, riesig, voller Teiche, Pools und Springbrunnen. Die Kinder fragten ganz zurecht: Wofür braucht man das alles? Pomp ohne Ende. Kein Wunder, dass so ein Lebensstil irgendwann Widerstand hervorruft.
Am großen See trennten wir uns. Die Kinder entschieden sich für Toilette und Crêpe, ich für den Petit Trianon und das Dorf von Marie Antoinette. Ein ganz besonderer Moment - heute an ihrem Todestag von 1793. Fast hätte ich die falschen Tickets verteilt – die vom Eiffelturm statt Versailles. Zum Glück fiel Ben Luis das rechtzeitig auf.

Der Besuch beim Trianon hat sich gelohnt. Ein klarer Gegenentwurf zum Schloss: weniger Prunk, mehr Natur, verwinkelte Wege, kleine Teiche, eine Grotte, ein Tempel. Fast wie eine Insel im strengen Muster von Versailles. Besonders beeindruckend war das Hameau de la Reine, der Bauernhof von Marie Antoinette. Kleine Häuschen im ländlichen Stil, ein See, Gärten, Tiere – eine inszenierte Idylle, die wie ein Rückzugsort wirkte. Kaum zu glauben, dass wenige Minuten entfernt die strengen Linien des Schlosses dominieren.

Dann kam der Anruf: „Wie lange brauchst du noch?“ Wir hatten noch acht Stunden Fahrt vor uns. Also zurück zum Treffpunkt, alle eingesammelt, umgezogen und ab auf die Autobahn.

Sechs Stunden später: Köln. Romina getroffen, Pizza bestellt, dazu für Sabrina endlich Piccata Milanese. Darauf hatte sie sich schon seit dem letzten Frankreich-Urlaub gefreut.
Merke: Versailles zeigt zwei Gesichter – das große Spektakel und die stillen Rückzugsorte. Manchmal lohnt es sich, beides zu sehen.











