Aufstieg zum Signal Hill
Die Aussicht vom Weg auf die Stadt ist phänomenal. Alle paar hundert Meter ergibt sich ein neuer Winkel, dazu neue interessante Pflanzen und sogar Feuerlöscher aus Holz. Es dauert etwa 55 Minuten, bis wir es vom Fuß des Tafelbergs bis auf den Signal Hill schaffen. Von dort aus blicken wir auf Robben Island. Das ist vielleicht unser Ziel für morgen. Dafür müssten wir allerdings eine Tour buchen, die den Zeitplan sprengen könnte.

Abstieg ohne doppelte Strecke
Auf dem Rückweg bleiben wir unserem Motto treu: “Keine Strecke zweimal!” Während der ganzen Reise schaffen wir es, so gut wie keine Strecke, die wir hinfahren, auch wieder zurückzufahren. Natürlich gibt es wenige Ausnahmen wie Lüderitz oder Sossusvlei, das sind aber Stichstraßen. Wir folgen einem Feldweg, der uns steil abwärts durch ein kleines Waldstück führt. Auf halbem Weg fragen wir uns, was passiert, wenn wir plötzlich vor einem Zaun stehen. Und wir fragen uns auch, wo wir am Ende überhaupt herauskommen.

Bei spontanen Abstiegen über Nebenwege lieber auf markierten Routen bleiben und genug Zeit bis zur Dämmerung einplanen. Wenn ein Zaun oder eine Sackgasse droht, frühzeitig umdrehen, statt weiter abzuschneiden.
Zaun, Lions Battery und die Gegend
Nach weiteren 20 Minuten stehen wir dann tatsächlich vor einem Zaun. Einem hohen Zaun. Zum Glück sehen wir eine Fährte, die uns am Zaun entlang irgendwann auf eine asphaltierte Straße führt. Glück gehabt. Wir werden von 3 bis 5 Jugendlichen in einem heruntergekommenen Auto empfangen, können sie aber ignorieren, ohne dass sie uns hinterherfahren oder uns weiter beachten. Am Fuß des Berges liegt dann auch die “Lions Battery”, die Kanone, die um Punkt 12:00 Uhr mittags einen Schuss abfeuert. Danach kann man sich wohl die Uhr stellen, so unser Ex-Taxifahrer. Daher hat der Berg auch den Namen “Signal Hill”.
Knall, Böller und Long Street
Der weitere Weg in die Stadt bringt ebenfalls neue Erfahrungen. Wir merken, dass in einem “Education-Programm” Kinder und Jugendliche hinter einer hohen Mauer untergebracht sind, oben zusätzlich gesichert. Wir laufen zielstrebig auf die Mauer zu und sind froh, wieder Abstand zu gewinnen, als wir sehen, was sich dahinter befindet. Etwas weiter stehen Wohnhäuser, alle mit einer Mauer ums Grundstück. Teilweise erkennen wir die Fenster. Vor jedem Fenster sitzt ein enges Gitter, und die Gitter sind jeweils mit “Armee-Draht” zugestopft. So langsam fragen wir uns, was das hier für eine Gegend ist, und sind froh, dass es erst in zwei Stunden dunkel wird.
Es knallt. Wir beschleunigen unseren ohnehin schon flotten Schritt. Beide sind wir der Meinung, dass das eine Platzpatrone ist. Wir diskutieren und stellen fest, dass wir beide keinen blassen Schimmer haben, wie eine richtige Pistole klingt. 4- bis 5-jährige Kinder, die am Straßenrand spielen, beruhigen unser Gemüt wieder ein wenig. Als wir sehen, dass die Kinder mit China-Böllern Flaschen in die Luft sprengen, sind wir fast froh. Die Frage, was die Jugendlichen machen, wenn die Kinder schon Flaschen in die Luft sprengen, verkneife ich mir. Ich bin froh, als ich die Long Street sehen kann.









