Grenze Botswana–Sambia (Kazungula): Eine "grenz"wertige Erfahrung

Grenze Botswana–Sambia (Kazungula): Eine "grenz"wertige Erfahrung

Grenze Botswana–Sambia (Kazungula): Eine "grenz"wertige Erfahrung
Do, 22.10. Vormittag

Kazungula: Ausreise, Fähre, Visa, Wechselstube und plötzlich fehlt die lokale Versicherung. Zwischen Warnungen, improvisierten Umwegen und vielen kleinen Zahlstellen lernen wir, ruhig zu bleiben, Aufgaben zu teilen und als Team durch das Chaos zu kommen.

Kazungula Zambezi Grenzübertritt Fähre Zambia Botswana Victoria Falls

Route – hier waren wir unterwegs

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Reisebericht

An der Grenze in Kazungula

Grenzen nerven mich schon vorher. Raus aus dem Auto, Pässe bereitlegen, Stifte dabeihaben, Autonummer merken, Formblätter ausfüllen, Stempel holen. Danach geht es zu Customs, dann zahle ich irgendeinen Betrag für die Road-Tax. Irgendwas fehlt am Ende immer, und ich brauche ein paar Anläufe, bis wirklich alles erledigt ist. Normalerweise dauert das rund 30 Minuten, und dann ist es geschafft. Puh.

Jetzt kommt Zambia, und der Grenzposten in Kazungula setzt noch einen drauf. Wir müssen Botswana verlassen, dann über den Zambezi mit einer Fähre, danach folgt die Einreise. Schon bei der Ausreise aus Botswana warnt uns eine Beamtin ausdrücklich: Auf keinen Fall sollen wir vor der Einreise irgendetwas bezahlen. Sie unterstreicht das mit einem Finger, und bei mir bleibt ein großes Fragezeichen hängen. Ich verstehe den Hinweis, aber ich weiß nicht, wie das hier in der Praxis funktionieren soll.

Grenze

Fähre, Visa und Währung

Wir fahren über eine kleine Brücke mit hunderten Schlaglöchern und sind froh, überhaupt anzukommen. Nach etwa 350 m sehen wir den Zambezi und stellen uns hinter das letzte Auto. Keine Minute später stehen mehrere selbsternannte Helfer um uns herum, sprechen durcheinander und wollen alle etwas. Viele heißen George oder Mike oder Michael, und jeder hat eine andere Geschichte, warum er gerade jetzt wichtig ist. Das fühlt sich nicht nach Unterstützung an, sondern nach zusätzlichem Stress. Ich stelle mich aus Trotz als “George Michael” vor, fülle ein weiteres Formular aus und bekomme erklärt, wo wir mit dem Auto zur Fähre fahren sollen.

Auf der Fähre

Auf der Fähre sollen wir dann 20 US$ zahlen, angeblich gebe es das Büro auf der anderen Seite nicht mehr. Wir erinnern uns an die Warnung und bleiben erst einmal stehen. Der Fährmann wird dabei fast aggressiv und fordert unseren Führerschein, und ich gebe ihm den internationalen. Gleichzeitig klammert sich jeder an unser Auto, alle wollen “aufpassen” und bleiben in Reichweite. Andreas bleibt beim Auto, und ich versuche, den ersten Teil zu erledigen. Ich gehe zu Immigration, fülle Zettel aus und soll 50 US$ fürs Visum zahlen, die wir nicht passend haben. Also gehe ich zurück, hole 1.000 Namib-Dollar und tausche ohne Stempel kurz über die Grenze in der Wechselstube 123 US$ um. Danach bezahle ich das Visum, bekomme den Stempel in den Pass und komme wieder zum Auto, dann macht Andreas die nächsten Schritte.

Andreas holt Visum und Stempel, meldet das Auto an und zahlt Road-Tax beziehungsweise Carbon-Toll. Dann hakt es wieder, weil sie nur Kwatschas annehmen, also müssen wir erneut wechseln. Danach bezahlen wir die Fähre, und wir denken, dass wir endlich fertig sind. Unser Ziel ist jetzt vor allem, wegzukommen und diese dauernde Begleitung loszuwerden. Sobald wir drüben sind, soll das Kapitel abgeschlossen sein. Genau das ist es aber nicht.

Kontrollen und Fazit

Auf dem Weg nach Livingstone kommt nach 2 Kilometern die erste Polizeisperre. Sie kontrollieren die Papiere, und dabei fällt auf, dass wir keine “Local Insurance” gezahlt haben. Die sei eine kleine Bude links neben der Grenze gewesen, die wir nicht auf dem Schirm hatten. Also bezahlen wir die Versicherung nachträglich für 270.000 Kwatschas, davon 100.000 für die Versicherung und 170.000 Strafe. Beim damaligen Kurs von etwa 4.500 Kwatschas für 1 US$ ist das zwar nicht existenzbedrohend, aber es ist eine weitere Überraschung. Auf dem Weg nach Livingstone passieren wir noch drei weitere Kontrollen, dort läuft dann alles glatt, und genau das wurde uns auch versprochen.

Die Ausreise aus dem Land ist später ebenfalls kein Vergnügen. Auf dem Weg dorthin stehen wieder mehrere Kontrollen, und bei einer zahlen wir noch einmal 15.000 Kwatschas, also rund 3 Dollar. Mittlerweile haben wir absolut kein Kleingeld mehr, und das sieht der letzte Posten vermutlich auch. Deshalb lassen sie uns bei den anderen eher durchwinken. An der Grenze gibt es dann noch einmal Probleme beim Geldtauschen, und Andreas ist zu Recht genervt. Es dauert, es zieht sich, und ich komme selbst nicht so schnell durch, wie ich es gerne hätte.

Rückweg

Das Grundproblem bleibt: Es gibt kaum verlässliche Informationen, wie teuer was genau ist, und überall wartet eine neue Überraschung. Die Beträge in lokaler Währung wirken riesig, und in Euro gerechnet sind es oft nur ein paar Euro für Kontrolle, Maut oder Gebühren. Trotzdem entsteht ständig das Gefühl, abgezockt zu werden, und das macht alles unnötig anstrengend. Wenn sich das herumspricht, bleiben Touristen weg, und das ist das Letzte, was hier jemand wollen kann. Immerhin ist es noch besser als Zimbabwe, wo ein anderer genervter Tourist in einer Polizeikontrolle 200 US$ für “falsche Reflektoren am Auto” zahlt.

In Summe kostet uns Zambia inklusive der Victoria Falls 210 US$. Dafür sammeln wir viele Erfahrungen, die ich nicht missen möchte, die ich aber auch nicht noch einmal brauche. Unterm Strich liegen wir damit immer noch besser als bei einer geführten Tour, die insgesamt 150 US$ mehr gekostet hätte.

Happy

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