Trophy Mountain Meadows im Wells Gray: Mini-Seen

Trophy Mountain Meadows im Wells Gray: Mini-Seen

Trophy Mountain Meadows im Wells Gray: Mini-Seen
Mi, 28.06. Vormittag

Ein früher Start, müde Beine und trotzdem noch einmal Natur pur: erst der Green Mountain Tower, dann die holprige Schotterpiste zu den Trophy Meadows. Oben warten Aussicht, kleine Seen und viele Mücken. Zum Abschluss belohnen die Spahats Falls und ein Kuchenstopp.

Wells Gray Park Green Mountain Tower Trophy Mountain Trophy Meadows Spahats Falls Mücken

Route – hier waren wir unterwegs

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Reisebericht

Früher Start und Frühstück

8 Uhr morgens, der Wecker klingelt: Ingo ist fit, kein Wunder, er schläft gestern Abend schon um 21 Uhr ein, und ich bin wie immer noch ein bisschen müde. Hier passt auch: Same procedure as every morning. Ingo versucht, Sabrina liebevoll in den Tag zu holen, indem er fit wie ein Turnschuh im Bett herumspringt und alle durchschüttelt. Wir wollen etwas erleben, aber heute Morgen tut mir das ganze Bein weh, wegen dieses einen netten Mückenstichs. Die Kniekehle ist ähnlich dick angeschwollen wie zu Beginn der Reise mein Oberschenkel. Ich scheine sehr allergisch auf diese Viecher zu reagieren, das nervt echt, und diesmal juckt es auch noch wie blöd.

Morgen im Motel vor dem Start

Weil Ingo schnell duscht, beschließen wir, dass er zur nahe gelegenen Bäckerei (Cafe) fährt, um dort zu frühstücken. Ich quäle mich derweil aus dem Bett, mache mich landfein und begnüge mich mit etwas Nutella und frischem Weißbrot. Gesagt, getan. Ingo bekommt in der Bäckerei einen leckeren Burrito mit Salsa-Soße. Ich würde so etwas eher abends vernaschen wollen, aber gut, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Während er frühstückt, versuche ich mein Bein zu ignorieren und komme langsam in Gang.

Green Mountain Tower und rauf zu den Meadows

Green Mountain Tower im Wells Gray Park

Gegen 10 Uhr brechen wir endlich in den Wells Gray Park auf, zuerst zum Green Mountain Tower, einem kleinen Aussichtsturm mitten im Park. Die Aussicht haut uns nicht wirklich vom Hocker, weil wir auf viel Grün schauen, Wald und Felder, so ähnlich muss es im Schwarzwald aussehen. Im Hintergrund sind aber schon einige schneebedeckte Berge zu sehen, die wir wohl auch gestern beim Kanufahren sichten. Wir sind von den bisherigen Landschaftsbildern in den Nationalparks von Banff einfach verwöhnt. Schneebedeckte Berge mit Gletscherseen davor sind doch etwas Besonderes und nicht überall zu sehen. Heute stehen wir hier eben “nur” auf 1.090 m.

Blick vom Turm in Richtung schneebedeckter Berge

Wir schauen einmal in jede Himmelsrichtung und fahren dann wieder zurück, denn als nächsten “Tagesordnungspunkt” wählen wir den Trophy Mountain. Den sehen wir sogar vom Green Mountain Tower aus. Um zum Ausgangspunkt unserer geplanten 45-Min.-Wanderung entlang des Trophy Mountain Meadow Trails zu gelangen, müssen wir zuerst einen 15 km langen Schotterweg fahren. Das ist gar nicht witzig, und unser Auto sieht danach aus wie eine Dreckschleuder, richtig schön braun. Oben angekommen, sind wir schon auf etwa 1.690 m und haben einen sehr schönen Ausblick auf den Park und die Berge dahinter. Vor uns liegt ein blühendes Feld, das Flower Meadow, für das dieser Platz bekannt ist.

Natürlich sprühen wir uns vor der Wanderung ordentlich mit unserem “Anti-Mücken-Zeugs” OFF ein, denn wir wollen keine weiteren Stiche mehr abbekommen.

Almgefühl, Mini-Seen und Mücken

Trophy Meadows am Trailhead und Blick über das Flower Meadow

Jetzt geht es ungefähr 200 m aufwärts, durch blühende Felder und dann über einen schönen Waldweg. Wie gesagt, es geht dauerhaft bergauf. Weil es inzwischen Mittag ist, ist es auch richtig warm. Für mich ist das Grund genug, ein bisschen vor mich hin zu fluchen, aber wirklich nur ein bisschen. Vor allem, weil uns klar wird, dass diese 45 Min. nur die einfache Strecke sind. Wir müssen das Ganze also auch wieder zurückmarschieren. Trotzdem ist der Weg nett, und wir kommen Schritt für Schritt höher.

Aufstieg durch Blumenfelder in Richtung Wald

Unterwegs treffen wir noch ein französisches Paar, das uns auf Englisch-Französisch zu erklären versucht, dass das Blumenfeld oben auf dem Berg, für das man den Aufstieg macht, nicht mehr blüht. Gleichzeitig sagen sie, dass es nur noch 15 Min. bis nach oben sind. Hhhhhm, was nun. Sofort umdrehen ist nicht Ingos Art, also geht es weiter. Außerdem sehen wir unten zu Beginn des Aufstiegs ja auch schon schöne Blumenfelder. Das sollte dann reichen. Als wir den Wald hinter uns lassen, sehen wir das weite “Blumenfeld”, das jetzt eher ein Wiesenfeld ist, und es wirkt ein bisschen wie eine Alm, so empfinden wir das zumindest.

Waldweg kurz vor dem offenen Wiesenfeld

Wir marschieren noch weiter, immer noch leicht bergauf, weil Ingo immer noch ein Stück weiter will. Er sieht da einen Gletscher und will schnell gucken, ob man nach der nächsten Anhöhe noch mehr sieht, und dann wieder nach der nächsten, und so weiter. Wir gehen also nicht nur die von den Franzosen genannten 15 Min. weiter, sondern 2 x 15 Min., um einen noch besseren Blick zu erhaschen oder eben noch “kurz auf diese Anhöhe und dann noch auf die nächste” zu wandern. So ist Ingo, immer noch ein bisschen mehr als geplant, nicht nur beim Wandern. Irgendwann streike ich und sage ihm, er soll vorpirschen und mich rufen, wenn es noch etwas Besseres zu sehen gibt.

Weites Wiesenfeld oben wie eine Alm

Nach 5 Min. ruft er tatsächlich. Ich gehe wieder hinterher, und siehe da, er findet wirklich ein schönes Plätzchen: Blick auf die Bergfront, und davor zwei kleine Seen, wirklich ganz kleine, aber total schön. Ich kann Ingo überzeugen, dass dieser Blick völlig ausreicht. Er will dann auch nicht mehr “noch mal eben auf die nächste schneebedeckte Anhöhe hoch”, sondern wir setzen uns auf eine kleine Brücke. Wir ruhen kurz aus und lassen uns dabei von den Mücken angreifen. Ich wandere lieber ein bisschen hin und her und genieße die Aussicht. Dort oben auf dieser “Alm” ist es echt schön, und der Blick auf die Berge ist klasse.

Blick auf Bergfront mit zwei kleinen Seen davor

Wegen der Mücken brechen wir dann relativ schnell wieder Richtung Tal auf. Außerdem habe ich Hunger. Kurz nach dem eigentlichen Blumenfeld treffen wir noch zwei Deutsche aus Bochum und Hannover, die die Mückenplage ebenfalls bestätigen. Wir unterhalten uns kurz, das ist echt nett. Dann marschieren wir zügig zurück zum Ausgangspunkt, wieder durch den Wald und das davor gelegene “noch intakte” Blumenfeld. Leider wird Ingo dann doch noch von einer Mücke gestochen, was ein Mist.

Rastplatz an der Brücke mit Blick über die Wiesen
Rückweg durch Wiesen und Wald Richtung Trailhead

Spahats Falls und Kuchenstopp

Unten angekommen, hüpfen wir in unser heißes Auto und fahren die 15 km Schotterstraße wieder zurück. Wenn man das überhaupt fahren nennen kann, es ist eine sehr holprige Straße. Mir ist viel zu warm im Auto, und mein linkes Bein tut jetzt ganz schön weh. Wahrscheinlich kommt das von der Belastung durchs Wandern. Als letzte Station unserer Wells Gray Tour wählen wir noch die Spahats Falls. Auch das sind wieder gigantische Wasserfälle, die in einen Canyon hinunterfallen.

Spahats Falls mit Blick in den Canyon

Die Falls liegen nur 5 Min. Fußweg von der Straße entfernt, sodass auch ich das mit meinem Bein gerade noch so schaffe. In dem Moment bin ich echt total fertig. Aber der Ausblick auf die Wasserfälle entschädigt mich. Sie sehen wieder richtig toll aus, und der Blick auf den ausgehöhlten Canyon davor ist echt magisch. Diese Wasserfälle in Kanada haben echt was, wow. Kurz danach setzt Ingo mich an der besagten Bäckerei ab.

Spahats Falls aus der Nähe, Wasser stürzt in die Schlucht

Er fährt tanken, und ich kaufe mir schon mal einen Schokoladenkuchen und eine kalte Pepsi, außerdem “erfrage” ich Eis für mein geschwollenes Bein. Als Ingo wieder da ist, gönnt er sich noch einen Kaffee und einen New York Style Cheese Cake. Ich kann seinen Kuchen in dem Moment nicht essen, und er genauso wenig meinen. Jeder ist mit seinem Stück sehr zufrieden. Und das Eis auf meinem Bein tut super gut, eine richtige Wohltat. Gegen 16 Uhr brechen wir Richtung Südwesten auf, und der Tag kippt vom Wandern in lange Fahrzeit: Highway, Stau und schließlich der Grenzwechsel in die USA.


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