Jasper: Spontan zu den Miette Hot Springs

Jasper: Spontan zu den Miette Hot Springs

Jasper: Spontan zu den Miette Hot Springs
So, 25.06. Nachmittag

In Jasper beginnt der Abend mit einer zähen Suche nach bezahlbarer Unterkunft und einem Restaurant, das fast alles „ausverkauft“ hat. Danach fällt spontan die Entscheidung für die Miette Hot Springs. Auf dem Weg warten Elche und Rehe, später entspannen die heißen Becken, bevor eine anstrengende Nachtfahrt folgt.

Jasper Miette Hot Springs Elche Wildlife

Route – hier waren wir unterwegs

GPX-Karte 2006-06-25-18h-jasper-spontan-zu-den-miette-hot-springs
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Reisebericht

Unterkunftssuche in Jasper

Erstes Ziel ist das Visitor Information Center, in der Hoffnung, dass wir hier so etwas wie eine Übersicht zu den ganzen Bed & Breakfasts bekommen wie in Field. Aber Fehlanzeige. Alle Infos führen zu überteuerten Hotels (159 $ für ein Zimmer pro Nacht in einer “Absteige”…). Also ziehen wir wieder auf eigene Faust los und schauen uns die B&Bs an. Teilweise sind sie recht günstig, aber oft nur mit einem geteilten Badezimmer, was seeehr blöd ist, oder es ist nie jemand zu Hause. Die restlichen 90% sind bereits ausgebucht. Irgendwann finden wir dann (zusammen mit einem anderen deutschen Paar, das zufällig auch gerade ankommt) ein Motel: ein relativ kleiner Raum im ersten Stock, dafür aber nur 99 $ pro Nacht.

Bed-and-Breakfast in Jasper

Abendessen mit “Ausverkauft”

Wir werfen nur schnell unsere Sachen ins Zimmer und machen uns direkt wieder auf in Richtung Lokal, um ein Abendessen zu bekommen. Dabei landen wir in einem Restaurant mit einer umfangreichen Speisekarte, das aber irgendwie fast nichts davon anbieten kann, weil alles schon “ausverkauft” sei. Am Nebentisch kommt die Bedienung für eine Bestellung viermal an und entschuldigt sich jedes Mal, dass sie das Gewünschte nicht hat. Irgendwann sagt der Typ nur noch: “Ok, bring mir einfach nur einen Burger und ein Bier!” Als Servicekraft wäre mir das unangenehm gewesen. Immerhin liefert das Ganze unfreiwillig Unterhaltung, während wir uns durch das Wenige hangeln, das tatsächlich noch da ist.

Restaurant in Jasper
Im Restaurant in Jasper

Spontan zu den Miette Hot Springs

Während des Essens planen wir den nächsten Tag, und dabei fällt uns auf, dass die Miette Hot Springs, also die heißen Quellen bei Jasper, ungefähr eine Stunde nördlich liegen. Das ist ziemlich weit ab vom Schuss und eigentlich gar nicht auf unserer Route. Allerdings haben sie bis 22:30 Uhr geöffnet, und es ist erst 21 Uhr. Also entscheiden wir kurzerhand, noch in den Norden zu fahren, denn die Schwimmsachen sind (noch) gepackt. Der Weg zu den Hot Springs ist mehr als nur sehenswert. Überraschenderweise sehen wir seeehr viel Wildlife. Wir schauen diversen Elchen (Moose) beim Fressen zu und beobachten auch einige Rehe, die die Straße überqueren. Genial, und dafür sind wir gestern sooo lange aufgeblieben.

Straße Richtung Miette Hot Springs
Abendstimmung auf dem Weg nach Norden
Wildlife am Straßenrand nahe Jasper

Heiße Becken und eine lange Nachtfahrt

Irgendwann geht es dann vom Highway ab in Richtung Berge, und zwar 17 km weit. Wir haben nur noch 30 Minuten, um überhaupt noch in die Springs zu kommen, und trotzdem klappt alles. Keine Tiere mehr auf der Straße, kein Gegenverkehr, und wir sind in kurzer Zeit da. Sabrina springt kurz rein, bezahlt, ich parke das Auto und komme nach. Die Hot Springs sind im Grunde ein kleiner Swimmingpool, vergleichbar mit einer Badeanstalt bei uns, nur mit dem Unterschied: die Wassertemperatur ist eben hot. Die Quellen liefern Wasser mit 59 Grad Celsius und sind damit die heißesten in den Rockies. Das Wasser wird auf angenehme 38 Grad heruntergekühlt und in die Becken geleitet, eins mit 36 Grad und eins mit 40 Grad. Ich kann nur sagen: “Sehr entspannend!” Es lohnt sich in jedem Fall, dass wir uns noch auf den Weg machen, auch wenn wir am Ende nur eine halbe Stunde dort sind. Länger halte ich es ehrlich gesagt auch gar nicht aus. Was wir nicht dabei haben, ist Duschgel, aber “zum Glück” gibt es dort welches. Ich verwende es und rieche danach wie Kaugummi, kein großer Unterschied zwischen mir und dem Wrigley’s.

Becken der Miette Hot Springs

Auch der Rückweg lohnt sich, denn wir fahren ein Stück Richtung Westen und damit direkt in den Sonnenuntergang hinein. Das freut mich natürlich, und ich kann meiner Leidenschaft, dem Fotografieren, nachgehen, ganz zum Leid von Sabrina, denn sie ist müde und will heim. Glücklicherweise werde ich nach jeweils zwei Fotos immer wieder ins Auto zurückgejagt, und zwar von einem Schwarm Mücken, Moskitos, Fliegen und sonstigen fliegenden Plagen. Weil ich gerade noch den Sonnenuntergang mitnehme, ist die logische Konsequenz ziemlich klar: Es wird dunkel. Es dauert noch ein wenig, aber dann wird es mehr und mehr dunkel, dunkel und dunkel. In der Dämmerung sind die zig Schilder nach dem Motto “Achtung, wilde Tiere” natürlich sehr hilfreich, denn ich stufe jeden annähernd tiergroßen Busch am Straßenrand als potenzielle Gefahr ein. Ich kann nur sagen: Es gibt dunkle Büsche, helle Büsche, noch dunklere Büsche, das Ganze in groß, klein und sogar mittel, und zu jeder Variante passt eine Tierart. Verdammt…

Sonnenuntergang auf dem Rückweg

Irgendwann lässt die Dämmerung nach, und dann ist es richtig dunkel. Jetzt kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazu: die anderen Autos. Ich treffe bis heute hier in Kanada noch kein Auto, das nachts nicht geblendet hätte. Offenbar stellen viele ihr Licht nicht richtig ein, oder es ist ihnen einfach egal. Eine Frage: Was passiert, wenn ich auf das Heck von einem Dodge Ram, also einem seeehr großen Jeep mit sehr guten Scheinwerfern, einen 2,5 Tonnen Wohnwagen packe? Jawohl, auch dieses Auto geht hinten in die Knie, die Scheinwerfer zeigen Richtung Mond und leuchten sehr schön die Fahrer in den entgegenkommenden Autos an. Ich könnte jetzt weitermachen mit Trucks, die überladen sind, Autos mit Touris wie uns, die im Kofferraum den halben Hausstand transportieren, und so weiter. Irgendwann wird es mir zu bunt, und ich fahre die ganze Zeit nur noch mit Fernlicht. Das Coole ist: Es beschwert sich keiner. Und ich muss auch sagen, meine Maglite (Taschenlampe) kann mehr als das Fernlicht von unserem Chrysler Sebring.

Straße bei Nacht in den Rockies

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt kommen wir endlich wieder heim, und mein Adrenalinbedarf ist das zweite Mal an diesem Tag mehr als nur gedeckt. Gut’s Nächtle!


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