Stanley Park und zum Ruderclub
Die Abfahrt mit der Gondel geht erstaunlich schnell und dauert keine acht Minuten. Danach fahren wir mit dem Auto wieder hinunter, durch den Stanley Park, bis zum Ruderclub. Dort werden wir in Mannschaften eingeteilt. Sue muss steuern, und damit steht plötzlich im Raum, dass ich in einen Einer soll. Das letzte Mal sitze ich 1998 ernsthaft im Boot, also vor gut acht Jahren. Und jetzt soll ich allein auf dem Pazifik rudern? Das fühlt sich nach viel Respekt an, vor allem bei den Geschichten, dass man in dem eiskalten Wasser nur 3–5 Minuten überlebt, wenn man kentert.

Also lasse ich mir alles genau erklären. Man gibt mir eine Pfeife und eine Schwimmweste, die ich bei mir tragen soll. Wenn etwas passiert, heißt es: pfeifen, Schwimmweste anlegen und ans Ufer schwimmen. Außerdem soll ich nicht weiter als bis zu dem Restaurant fahren, das kurz hinter der Hafenausfahrt liegt. Dann drückt man mir ein Boot in die Hand, das mir vermutlich nicht “so viel Spaß” macht, dafür aber sicher nicht umkippt. Es ist kein Fischerboot, aber doch ein paar Zentimeter breiter als ich.
Allein im Einer vor Vancouvers Skyline
Ich gehe aufs Wasser und gewöhne mich an die ersten Schläge. Schnell merke ich: Rudern ist wie Fahrradfahren, einmal gelernt, verlernt man es nicht so leicht. Ich rolle mich erst einmal etwa 500 m ein und probiere dann ein paar Starts. Danach fahre ich mit mehr Kraft und komme gerade so hinter dem Damen-Vierer her. Mein Kahn ist sehr wendig, aber eben auch sehr breit.

Es ist traumhaft, mal wieder rudern zu können, und das vor der Skyline von Vancouver. Der Wahnsinn. Vor vier Jahren stehe ich mit Ralf schon einmal vor diesem Ruderclub, wünsche mir das sehr und glaube trotzdem nicht, dass es wirklich klappt. Jetzt passiert es einfach. Ich spüre, wie gut mir das Rudern tut: Rücken, Beine und Arme arbeiten wieder, und alles fühlt sich wie ein lang vermisstes Training an.

Der Entschluss steht fest: Ich trete irgendwann wieder in einen Ruderclub ein. In München ist das vielleicht etwas unpraktisch, aber irgendwo wird es schon passen. Hauptsache, ich sitze wieder regelmäßig im Boot. Dieses Gefühl will ich nicht wieder verlieren.

Hotelwechsel und ein vorsichtiger Blick auf Chinatown
Anschließend machen wir uns relativ schnell auf den Weg zurück, um in unser neues Hotel umzuziehen. Es liegt mehr oder weniger an der Ecke Broadway und Main St., also ziemlich zentral, denken wir zumindest. Ganz “Greater Vancouver” ist es nicht, aber der Fußweg vom Hotel nach Gastown dauert rund 30 Minuten. Der direkte Weg führt uns durch Chinatown. Ich merke, wie angespannt mich die Erinnerung an meinen letzten Durchgang macht, und diesmal wollen wir es entspannter halten. Also planen wir unsere Wege so, dass wir das Viertel möglichst nur streifen.

Gastown, Pasta und Canada Place
Kurz darauf stehen wir in Gastown, dem ältesten Stadtviertel von Vancouver. Dort gehen wir Pasta essen, in der “Old Spaghetti Factory”. Die Leute sind super nett, und das Essen ist aus meiner Sicht wirklich gut. Sabrina sieht das deutlich nüchterner: Spaghetti, verkocht, mit Tütensauce. Immerhin sind Brot vorweg, Suppe oder Salat und das Eis hinterher im Preis inbegriffen. Am Ende gehen wir mit 35 $ und komplett satt nach Hause.
Bevor wir zurücklaufen, geht es noch zum Canada Place. Der Blick auf den Hafen, dazu die Berge im Hintergrund, ist genau der richtige Abschluss. Nach dem Essen tut der Rundgang richtig gut. Wir schlendern, schauen, atmen durch und lassen den Tag langsam ausklingen. Vancouver fühlt sich in diesem Moment groß und leicht zugleich an.










